Erziehungsstelle in Sachsen- Was ist das eigentlich?
Wir stellen Familie Behrens vor:
Johanna Behrens ist 24 Jahre alt und hatte vor gut 2 Jahren die Idee gemeinsam mit ihrem Mann ein Kind in ihren eigenen Haushalt aufzunehmen. Sie kannte den Begriff „Pflegekind“ und recherchierte zunächst im Internet wie sie diese Idee in die Tat umsetzen könne. Bei ihrer Suche stieß sie auf einen Begriff, den sie so auch noch nicht gehört hatte:
Erziehungsstelle! Was ist das eigentlich?
„Diese Hilfeform zeichnet sich durch intensive und kontinuierliche Beziehungsarbeit zwischen den zu Betreuenden und den Pädagogen aus, da es keinen Betreuerwechsel durch einen Schichtdienst gibt. Die Kinder werden in den Haushalt der Erzieher/-innen und in deren soziales Umfeld aufgenommen. Die Erzieher/-innen übernehmen die Verantwortung für die Erziehung, Versorgung und Förderung der Kinder und Jugendlichen im familiären Setting. Wichtig in diesem Setting und damit auch der größte Unterschied zur Pflegefamilie ist der, dass die Bezugsperson den pädagogischen Beruf zur/zum Erzieherin/Erzieher gelernt haben muss.
In den Familien/ Lebensgemeinschaften stehen höchstens zwei Plätze zur Verfügung. Die Rechtsgrundlage ist der §33/2 des SGB VIII. Die Familie bekommt einen Pflegesatz und eine Aufwandsentschädigung für die Betreuung der traumatisierten Kinder.“ (Quelle: www.kindern-ein-zuhause-geben.de)
Frau Behrens (damals noch Prosch) kam dann über eine Empfehlung an den St. Elisabeth- Verein und bewarb sich. Im Februar 2023 hatte die Familie dann den ersten Besuch von zwei Fachberatern*innen, die zu ihrem Wohnort in Sachsen fuhren, um die Familie kennenzulernen. Und so startete das Bewerberverfahren. Genauso wie bei den Familienwohngruppen in Thüringen durchläuft die potentielle Erziehungsstelle ein Verfahren, bei dem mehrere Termine im Zuhause stattfinden. Hierbei wird u.a. ein Fragebogen ausgewertet, den die Erziehungsstelle zuvor ausfüllt, es wird mit Hilfe eines Genogramms die Herkunft und das Aufwachsen der Familienmitglieder besprochen und anhand einer Familienaufstellung mittels Familienbrett wird geschaut, wie die Personen zueinanderstehen und wie ein Kind, welches neu dazu kommt, eventuell das System verändert. Frau und Herr Behrens erfüllten alle Aufgaben gemeinsam mit uns und kamen somit dem Tag zur Aufnahme eines Kindes immer näher. Im November 2023 war es dann soweit und sie lernten das erste Mal den kleinen Liam kennen. Er war damals fast ein Jahr alt und lebte in einer Bereitschaftspflegestelle.
Man kann sagen: Schon beim ersten Kennenlernen sprang der Funke über und Frau Behrens und ihr Mann konnten ein zweites Widersehen kaum abwarten. Gemeinsam mit Jugendamt und Vormund wurde ein Treffen vereinbart und so kam auch das „Go“ seitens der Ämter für die Familie. Am zog Liam bei den Beiden ein und ist nun schon dort. Der kleine Kerl hat trotz seines diagnostizierten FASD (Fetales Alkohol Syndrom- Liams Mama konsumierte während der Schwangerschaft Alkohol und Drogen) einen gewaltigen Entwicklungssprung gemacht. Er strahlt eigentlich immer, schläft nachts fast immer durch und läuft inzwischen ohne Probleme durch die Gegend. In der intensiven Zeit mit Frau Behrens (im Juli 2024 war die Hochzeit) konnte Liam so viel lernen.
Das allerwichtigste jedoch: Hier darf ich bleiben, hier sind immer dieselben Personen um mich herum und hier bin ich sicher und geborgen. Für die Familie ist mit Liam ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen und Liam wächst genauso wie ein eigenes Kind auf. Die Arbeit fühlt sich eigentlich ganz „normal und alltäglich“ an und so ist es fast schon klar: Familie Behrens möchte Liam nicht alleine aufwachsen sehen. Ein weiteres Kind soll die Familie komplettieren☺
Katja Mensel
(Fachberaterin von Familie Behrens)